Hufpflege beim Pferd: Fachwissen für gesunde Hufe
Praxisnahe Tipps, häufige Hufprobleme erkennen, richtige Hufbearbeitung und Ernährung für gesunde Pferdehufe
Die Hufe – das Fundament des Pferdes
Die Hufe eines Pferdes sind weit mehr als nur die Füße. Sie tragen das gesamte Körpergewicht, wirken als Stoßdämpfer und beeinflussen maßgeblich die Bewegungsmechanik. Gesunde Hufe sind entscheidend für die Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die langfristige Gesundheit eines Pferdes. Vernachlässigte Hufe können zu Lahmheiten, Fehlstellungen und orthopädischen Problemen führen, die oft über Monate oder Jahre bestehen bleiben.
Die Hufe wachsen kontinuierlich, durchschnittlich etwa 8–10 mm pro Monat, und passen sich dynamisch an Belastung, Untergrund und Futter an. Daher sind regelmäßige Kontrolle und Pflege für jeden Pferdebesitzer unerlässlich.
Aufbau und Funktion des Hufs
Der Pferdehuf besteht aus mehreren funktionalen Strukturen:
- Hornwand: Trägt das größte Gewicht, schützt die inneren Strukturen und sorgt für Stabilität.
- Strahl: V-förmiger Bereich im Hufballen, dämpft Stöße und unterstützt die Blutzirkulation.
- Ballen und Trachten: Stabilisieren die Hufstruktur und gewährleisten sicheren Bodenkontakt.
- Sohlenhorn: Schützt das Hufbein und trägt zur Stoßdämpfung bei.
Diese Strukturen arbeiten als lebendes System zusammen, und jede Störung – sei es durch Verletzungen, falsche Bearbeitung oder mangelhafte Pflege – kann die Funktion des gesamten Hufs beeinträchtigen.
Tägliche Hufpflege
Kontrolle und Auskratzen
Nach jedem Reiten oder Weidegang sollten die Hufe gründlich ausgekratzt werden, um Fremdkörper wie Schlamm, Mist oder Steine zu entfernen. Dabei lassen sich Risse, Fäulnis oder Hornschäden frühzeitig erkennen. Besonders der Strahl, die Trachten und Ballen sollten kontrolliert werden.
Sichtprüfung
Beim Kontrollieren achten Pferdebesitzer auf die Elastizität des Strahls, die Symmetrie von Trachten und Ballen sowie auf Risse oder Absplitterungen. Ein gesunder Strahl ist fest, aber nachgiebig. Auffälligkeiten sollten dokumentiert und bei Bedarf dem Schmied oder Tierarzt gezeigt werden.
Hufpflegeprodukte
Huföl oder spezielle Strahlpflegeprodukte schützen das Horn vor Austrocknung und erhalten die Elastizität. Die Anwendung sollte sparsam erfolgen, um das Horn nicht aufzuweichen.
Hufbearbeitung und Beschlag
Die regelmäßige Hufbearbeitung durch einen Hufschmied ist entscheidend für die Stabilität und Gesundheit des Hufs.
Intervalle
Die Hufe sollten in der Regel alle 6–8 Wochen bearbeitet werden, abhängig von Wachstum, Nutzung und Untergrund.
Barhufhaltung vs. Beschlag
Bei barhuf laufenden Pferden erfolgt regelmäßiges Kürzen und Formen, um die natürliche Tragfähigkeit zu erhalten. Pferde im Sport- oder Arbeitseinsatz erhalten Hufeisen, um Abrieb zu vermeiden und Fehlstellungen zu korrigieren.
Aufgaben des Schmieds
Der Hufschmied kürzt und formt die Hufe, legt Beschläge auf, korrigiert Fehlstellungen und berät Pferdebesitzer bei Problemen oder speziellen Anforderungen.
Häufige Hufprobleme
Zu den häufigsten Problemen gehören:
- Strahlfäule: Entsteht durch Feuchtigkeit und schlechte Stallhygiene. Vorbeugend helfen gründliche Reinigung und trockene Unterstände. Zu trocken schadet aber andererseits den Hufen, hier muss ein Mittelweg gefunden werden. Regelmäßiges desinfizieren an der betroffenen Stelle kann helfen. Der Hufschmied wird versuchen, das entzündete Gewebe zu entfernen.
- Hufrehe: Häufig durch Stoffwechselstörungen, Übergewicht oder falsches Futter ausgelöst. Tierärztliche Betreuung und Anpassung der Ernährung sind notwendig.
- Risse und Spalten: Trockene Böden oder schwaches Horn begünstigen Spalten im Huf. Regelmäßige Bearbeitung und ggf. orthopädische Hilfsmittel helfen.
- Hornabbruch: Mangelnde Nährstoffversorgung oder mechanische Belastung können zu Bruch führen. Supplemente wie Biotin, Zink und Methionin fördern ein robustes Hufhorn.
Ernährung und Bewegung
Die Hufgesundheit wird maßgeblich durch Ernährung und Bewegung beeinflusst. Hochwertiges Heu, ausreichende Mineralien und Spurenelemente sowie gezielte Supplemente unterstützen das Hornwachstum und die Stabilität. Unterschiedliche Untergründe trainieren die Hufe mechanisch, fördern die Abrundung des Strahls und verbessern die Durchblutung. Regelmäßige Bewegung ist daher ebenso entscheidend wie die Pflege selbst.
Technologische Hilfsmittel
Moderne Technik kann heute ebenfalls die Hufpflege unterstützen und die Überwachung erleichtern. Hufsensoren und Tracker messen Belastung, Schrittzahl und Gangbild und erkennen frühzeitig Auffälligkeiten. Digitale Dokumentationen über Apps oder Software helfen, Bearbeitungsintervalle, Veränderungen und Hufprobleme effizient zu verfolgen und die Kommunikation mit Schmied oder Tierarzt zu optimieren.
Praktische Tipps für Pferdebesitzer
- Hufe täglich auskratzen und visuell kontrollieren.
- Strahl, Ballen und Trachten auf Risse oder Fäulnis prüfen.
- Regelmäßige Schmiedbesuche alle 6–8 Wochen einplanen.
- Auffälligkeiten dokumentieren und bei Bedarf Tierarzt hinzuziehen.
- Auf eine ausgewogene Ernährung mit Mineralstoffen und Spurenelementen achten.
- Pferde regelmäßig auf unterschiedlichen Böden bewegen.
Fazit
Die Hufpflege ist ein zentraler Bestandteil der Pferdegesundheit. Sie schützt vor Lahmheiten, Fehlstellungen und orthopädischen Problemen und trägt maßgeblich zur langfristigen Leistungsfähigkeit bei. Eine Kombination aus regelmäßiger Kontrolle, fachgerechter Bearbeitung, angepasster Ernährung und gezielter Bewegung bildet die Basis für stabile, gesunde Hufe. Pferdebesitzer, die konsequent auf diese Faktoren achten, sichern die Mobilität, Fitness und das Wohlbefinden ihrer Pferde langfristig.
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